Auf kurvigen Landstraßen zeigt die Multistrada V2, warum Ducati das Konzept neu gedacht hat: Sie lenkt leicht ein, bleibt beim Umlegen stabil und hält die gewünschte Linie mit wenig Nachdruck. Der 890-cm³-V2 tritt nicht brutal an, entwickelt aber aus mittleren Drehzahlen genug Druck, um aus jeder Kehre kräftig herauszubeschleunigen. Wer spät bremst, findet eine gut dosierbare Front mit überzeugendem Feedback und genügend Reserven für engagierte Passagen. Die Sitzposition verbindet Übersicht mit ausreichend Bewegungsfreiheit, während Windschutz und Komfort auch lange Etappen zulassen. Im direkten Vergleich zur früheren Multistrada V2 wirkt der neue Antrieb kultivierter und das Gesamtpaket weniger fordernd, ohne zur langweiligen Vernunftlösung zu werden. Die KTM 890 SMT ist vermutlich noch radikaler, die BMW F 900 XR etwas nüchterner – die Ducati bringt dafür mehr Charakter und eine stärkere Verbindung zwischen Reise und Kurvenspaß.
Der kurze, nach vorn gezogene Schnabel bleibt hängen: Die Multistrada V2 wirkt 2026 deutlich schlanker und näher am Asphalt als ihre Vorgängerin. Aufsteigen, Lenker greifen, losfahren – die Ergonomie fühlt sich sofort selbstverständlich an, ohne dass die Ducati ihren sportlichen Anspruch versteckt. Der neue V2 liefert seinen Punch sauberer und berechenbarer, dreht willig hoch und macht aus engen Kurven eine flüssige Angelegenheit. Beim Anbremsen überzeugt die stabile Front, während das reduzierte Gewicht die Richtungswechsel spürbar erleichtert. Die Maschine fährt präzise, ohne nervös zu werden, und lässt sich auch mit Gepäck souverän bewegen. Gegen eine BMW F 900 GS wirkt sie emotionaler, gegen die KTM 890 SMT fokussierter auf Straße und Kurvenspaß. Zur großen Multistrada V4 fehlt Leistung, aber genau darin liegt ihr Reiz: Sie ist weniger einschüchternd, handlicher und im Alltag leichter auszureizen.
Ihr größter Fortschritt ist nicht die Mehrleistung, sondern die bessere Balance. Der neue V2 fühlt sich zugänglicher, leichter und sauberer an, bleibt dabei aber emotional genug für schnelle Kurven. Schwächen zeigen sich bei Kupplung und Getriebe sowie im straffen Dynamik-Setup. Wer eine sportliche Reiseenduro mit Ducati-Charakter sucht, findet hier eine sehr stimmige Mitte zwischen Alltag und Angriffslust.
Die ersten internationalen Tests zeichnen ein überwiegend positives Bild. Motorcycle.com lobt den leichteren Motor, das flinkere Handling und die bequeme Ergonomie. RevZilla beschreibt die Multistrada als souverän in engen Kehren, beim Bergabbremsen und auf wechselndem Straßenbelag. Road Rider sieht sie als Tourenmotorrad mit Sportbike-DNA und hebt die saubere Gasannahme, die Kurvenfreude sowie die Vielseitigkeit im Zwei-Personen-Betrieb hervor. BikeWale bewertet die lineare Leistungsabgabe und die starke Bremse positiv, kritisiert aber eine schwergängige Kupplung, ein hakeliges Getriebe und ein zu straffes Fahrwerks-Setup im dynamischen Modus. Mehrfach fällt außerdem auf, dass die neue V2 weniger aggressiv wirkt als der frühere Testastretta-Antrieb. Der Tenor lautet daher: zugänglicher, leichter und alltagstauglicher, aber nicht ganz so dramatisch. ([ducati.com]) Quellen: ducati.com; ducati.com; moto.it. Quelle ansehen