Mit ihrem klassischen Tank, den Speichenrädern und dem großen Einzylinder wirkt die Imperiale 400 wie eine sorgfältig restaurierte Erinnerung an frühere Motorradzeiten. Unter dem Retro-Auftritt steckt jedoch ein unkomplizierter moderner Antrieb, der seine 21,1 PS lieber gleichmäßig als explosiv abgibt. Auf kurvigen Nebenstraßen entsteht daraus ein ruhiger, fast entschleunigender Rhythmus: spät bremsen ist nicht nötig, frühes Herausbeschleunigen ebenfalls nicht. Das Gewicht spürt man beim Rangieren und in engen Kehren, während die moderate Höchstgeschwindigkeit den Einsatz klar auf Landstraße und Alltag fokussiert. Wer Retro-Charme mit mehr Punch sucht, findet bei Triumph oder Royal Enfield dynamischere Alternativen; wer bewusst langsam fahren und dabei gesehen werden möchte, bekommt hier ein sehr stimmiges Gesamtpaket.
Die Benelli Imperiale 400 steht im Retro-Segment für bewusstes Entschleunigen und richtet sich an Fahrer, denen Stil und Atmosphäre wichtiger sind als Durchzug und Kurventempo. Auf der Straße fühlt sie sich angenehm eigenständig an: Der langhubige Einzylinder nimmt sauber Gas an, bollert sympathisch aus dem Peashooter-Auspuff und lädt dazu ein, Bremspunkte früh zu setzen und die Linie entspannt zu wählen. In engen Kurven lenkt sie gutmütig ein, verlangt bei höherem Tempo aber etwas Vertrauen in das nicht ganz präzise arbeitende Fahrwerk. Der Punch reicht für Stadt, Landstraße und gemütliche Ausflüge, beim Überholen braucht es jedoch Planung. Gegen die Royal Enfield Classic 350 wirkt sie charaktervoller und erwachsener, gegen modernere 400er wie die Triumph Speed 400 aber deutlich gemütlicher und weniger dynamisch. Ihr größter Trumpf ist deshalb nicht Leistung, sondern das konsequente Gefühl, ein Motorrad und kein Fortbewegungsgerät zu fahren.
Die Imperiale 400 ist kein Motorrad für hektische Überholmanöver oder sportliche Jagd auf den nächsten Kurvenausgang. Sie überzeugt mit Stil, Klang und einem entspannten Fahrgefühl, das im Alltag überraschend viel Charme entwickelt. Kleine Schwächen bei Fahrwerk und Bremsgefühl gehören zum Charakter, schränken den Einsatz aber ein. Für Retro-Fans mit Sinn für Gelassenheit bleibt sie eine eigenständige Wahl.
Die verfügbaren Tests zeichnen ein erstaunlich einheitliches Bild. Gelobt werden der konsequente klassische Auftritt, die solide Anmutung, der charaktervolle Auspuffklang und das leichtgängige Fünfganggetriebe. Mehrere Tester empfinden den Motor als ausreichend elastisch für Stadt und Landstraße, sehen beim Überholen oder mit Gepäck aber klare Grenzen. Beim Fahrwerk gehen die Eindrücke leicht auseinander: Ein Test beschreibt die Abstimmung als brauchbar, kritisiert jedoch Instabilität bei höherem Tempo, während andere Berichte stärkeres Aufschaukeln und wenig Komfort über schlechten Straßen bemängeln. Auch die vordere Bremse gilt eher als unaufgeregt denn sportlich. Insgesamt wird die Imperiale weniger als schnelle 400er, sondern als stilvolle, gutmütige Alternative zur Royal Enfield Classic 350 wahrgenommen. ([cyclenews.com]) Quellen: cyclenews.com; motorradtest.de; benelli.com. Ver la fuente