Nicht jede Hyper Naked muss mit brachialer Leistung um Aufmerksamkeit kämpfen. Die Tuono 660 setzt auf Leichtigkeit, präzise Rückmeldung und einen Motor, der seine 105 PS mit Nachdruck, aber kontrollierbar abgibt. Auf kurviger Landstraße liegt ihre Stärke im späten Anbremsen, schnellen Umlegen und frühen Herausbeschleunigen: Das Vorderrad bleibt vertrauenerweckend, der Hinterreifen findet sauber Traktion. Mit 181 Kilogramm wirkt sie beim Rangieren ebenso handlich wie beim Wechsel von einer Schräglage in die nächste. Die Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h passt zum sportlichen Anspruch, ohne die Maschine in Richtung Autobahn-Spezialist zu verschieben. Im Vergleich zur RS 660 sitzt man entspannter, verliert aber kaum den direkten Kontakt zur Straße.
Diese kleine Frontverkleidung bleibt hängen: kantig, kompakt und mit einer Präsenz, die eher an die große Tuono V4 als an ein Mittelklasse-Motorrad erinnert. Beim Aufsitzen sitzt man angenehm aktiv, aber nicht gefaltet. Der breite Lenker gibt Kontrolle, während die sportliche Fußrastenposition klar signalisiert, dass hier Kurvenarbeit wichtiger ist als gemütliches Rollen. Der Zweizylinder hängt sauber am Gas, dreht willig hoch und liefert ab mittleren Drehzahlen einen kräftigen Punch, ohne den Fahrer mit unnötiger Härte zu überfordern. In schnellen Wechselkurven überzeugt die Tuono mit präzisem Einlenken, viel Grip und stabilen Bremspunkten. Sie fühlt sich deutlich erwachsener an als typische 650er-Nakeds und spielt fahrdynamisch eher gegen stärkere Streetfighter-Konzepte. Gegen Yamaha MT-07 oder Kawasaki Z650 wirkt sie weniger lässig, dafür wesentlich schärfer und elektronisch ambitionierter. Die Aprilia ist kein bequemes Vernunftmotorrad, sondern ein leichtfüßiges Sportgerät mit Alltagserlaubnis.
Die Aprilia Tuono 660 ist eine der charakterstärksten Maschinen ihrer Klasse. Sie fährt sich präziser und sportlicher als viele etablierte Mittelklasse-Nakeds, bleibt dabei aber zugänglich genug für den Alltag. Der Zweizylinder bietet reichlich Punch, ohne hektisch zu wirken. Wer maximalen Komfort oder den niedrigsten Preis sucht, findet passendere Alternativen. Wer Kurven, Elektronik und italienisches Design sucht, liegt hier sehr richtig.
Die verfügbaren Tests zeichnen ein ziemlich einheitliches Bild: Die Tuono 660 wird als sportliche Alternative zu klassischen Mittelklasse-Nakeds wahrgenommen, nicht als weichgespültes Einsteigerbike. Cycle News hebt hervor, dass sie im Vergleich zur Tuono V4 viel von deren Fahrspaß bietet, dabei aber weniger einschüchternd bleibt. Motorcyclist lobt das starke Verhältnis aus Leistung, Gewicht und Ausstattung, sieht den sportlichen Kniewinkel jedoch nicht für jeden Alltag als ideal. Frühere Tests von MCNews und Bennetts betonen die präzise Ergonomie, die umfangreiche Elektronik und den überraschend guten Windschutz der kleinen Verkleidung. Der aktuelle 2026er Jahrgang wird zudem als konsequente Weiterentwicklung mit mehr Leistung und hochwertigerem Fahrwerk eingeordnet. Kritisch bleibt vor allem der Preis: Gegenüber MT-07, Z650 und ähnlichen Konzepten verlangt die Aprilia einen deutlichen Aufpreis. Dafür liefert sie mehr Rennsportgefühl, mehr Ausstattung und ein klar eigenständigeres Profil. Ver la fuente