Mit ihrem Einliter-Reihenvierzylinder spielt die GSX-S950 bewusst die Karte der großen Reserven. In der 48-PS-Konfiguration kommt der Punch nicht brachial, sondern angenehm dosiert: Beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven schiebt sie sauber an, ohne den Fahrer mit plötzlicher Härte zu überraschen. Die Sitzposition ist aufrecht und langstreckentauglich, der breite Lenker vermittelt Kontrolle, und die standfesten Bremsen erlauben klare Bremspunkte, auch wenn das Fahrwerk bei sehr sportlichem Tempo nicht die letzte Präzision liefert. Auf welligen Landstraßen arbeitet die Suzuki komfortabel, in schnellen Wechselkurven verlangt sie aber etwas mehr Nachdruck am Lenker als leichtere Mittelklasse-Nakeds. Ihre Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h passt zum Charakter: genug für die Autobahn, doch der eigentliche Reiz liegt im souveränen Druck aus niedrigen Drehzahlen. Damit bleibt sie eine interessante Zwischenlösung aus großem Motorrad, A2-Tauglichkeit und unkompliziertem Alltag.
Die GSX-S950 steht im Naked-Bike-Segment für eine ungewöhnliche Idee: maximaler Hubraum und erwachsene Präsenz, aber ein bewusst zugänglicher Leistungscharakter. Sie richtet sich an A2-Fahrer, Wiedereinsteiger und alle, die nicht ständig nach dem nächsten Adrenalinschub suchen, sondern ein großes Motorrad mit kontrollierbarem Punch wollen. Auf der Straße fühlt sich der Reihenvierzylinder angenehm satt an, nimmt sauber Gas an und liefert schon aus niedrigen Drehzahlen genug Druck, um aus Kurven kraftvoll herauszubeschleunigen. Beim Anbremsen vermittelt die Suzuki Vertrauen, während das eher komfortabel abgestimmte Fahrwerk auf welligem Asphalt punktet. Wer maximale Präzision und aggressives Einlenken erwartet, findet bei einer Kawasaki Z900 oder KTM 890 Duke mehr Schärfe. Gegenüber der GSX-S1000 fehlt oben heraus deutlich Nachdruck, dafür bleibt die 950er entspannter, kalkulierbarer und im Alltag leichter zu beherrschen.
Wer ein erwachsenes Naked Bike mit großer Optik, kräftigem Vierzylinder und späterer Ausbaustufe sucht, findet in der GSX-S950 eine stimmige Lösung. Sie fährt sich souverän, komfortabel und berechenbar, ohne langweilig zu wirken. Gegen leichtere Konkurrentinnen fehlt ihr etwas Agilität, gegen die GSX-S1000 oben heraus deutlich Leistung. Dafür überzeugt sie mit Zugänglichkeit und Alltagstauglichkeit.
Die verfügbaren Tests und Fahrermeinungen zeichnen ein ziemlich einheitliches Bild. Gelobt werden vor allem der kräftige Vierzylinder im unteren und mittleren Drehzahlbereich, die entspannte Sitzposition, der charaktervolle Klang und die Nähe zur deutlich stärkeren GSX-S1000. Mehrere Berichte beschreiben die GSX-S950 als logischere, zugänglichere Alternative für den Alltag und als besonders interessante Basis für A2-Fahrer, die später auf offene Leistung wechseln möchten. Kritischer fallen die Einschätzungen zum Fahrwerk aus: Die Gabel gilt als komfortabel, aber nicht besonders sportlich, während bei hohem Tempo teilweise mehr Ruhe und Rückmeldung gewünscht werden. Auch das Gewicht wird als spürbarer Nachteil gegenüber moderneren, leichteren Konkurrentinnen eingeordnet. Insgesamt überwiegt dennoch der Eindruck eines ehrlichen, vielseitigen Naked Bikes mit viel Motor für vergleichsweise wenig Drama. Quellen: motoryk.com; 1000ps.de; 1000ps.com. Quelle ansehen